Nachdem sich Rudolf Hesse bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit der Radierung und dem „Vernis mou“ Verfahren beschäftigt hatte, führte die enge Zusammenarbeit mit dem Verleger und Drucker Heinrich Graf zur Herausgabe mehrerer Mappen-Werke. Unter dem Titel „Phantasien von Rudolf Hesse“ erschien 1924 eine sechs Blätter umfassende Mappe freier Graphik, zu deren Motivation sich Rudolf Hesse selbst im Vorwort äußerte: „Wenn mich als Maler immer wieder die Radierung reizt, so liegt dies in der Vielseitigkeit ihrer Ausdrucksweise. Ich bevorzuge das ‘Vernis mou’-Technik, weil es am leichtesten gestattet, Phantasien festzuhalten und malerische Probleme zu lösen.“
Im Jahr 1926 wird eine weitere Mappe „Zehn Handpressen-Kupferdrucke“ von Rudolf Hesse vom Kupferdrucker Heinrich Graf herausgeben. „Rudolf Hesse gehört mit zu unseren besten Künstlern. Sein genialer Strich stellt ihn über und sein Humor neben Wilhelm Busch. Die Entwürfe der Mappe stellen Szenen aus dem täglichen Leben dar. Konzertsaal, Theater, Jahrmarkt, Gastwirtschaft, Verkaufsladen, Amtsstube, Photographenatelier, Standesamt wechseln in bunter Folge. Immer aber führt ein Münchenerischer, sehr schlagfertiger, treffsicherer, nicht ausgelassener, nie bösartiger Humor das Wort und es tummelt sich auf der Kupferplatte eine Radiernadel, der man namentlich dort, wo sie mehr andeutet, als ausführlich dartut, schlechterdings Meisterschaft nachrühmen darf. Es gibt Leute, denen für das technische in der Kunst die Augen geöffnet sind, sie dürfen an den Hesse’schen Blättern ihre helle Freude haben.“
Mappenwerk, 10 Kupferdrucke, Verlag Heinr. Graf, München 1926
Die Mehrzahl dieser kleinen grafischen Blätter sind skizzenhaft wie die aus der direkten Beobachtung entstandenen spontanen Zeichnungen früherer Jahre.
Von besonderem Reiz sind in den von Heinrich Graf herausgegebenen Grafikmappen einzelne Blätter,
auf denen – wie auf Skizzenblättern – mehrere spontane Beobachtungen scheinbar ganz zufällig versammelt sind. Hesse signierte übrigens in den späten Jahren viele seiner großen Skizzenblätter. Daran wird sichtbar, welch hohen Stellenwert er der Skizze in seinem Kunstschaffen gab.
Blatt aus o.g. Mappenwerk
Kupferdruck, ca. 24 x 18 cm
1919 hatte Hesse Heinrich Graf in seiner Atelier-Wohnung ermöglicht, eine Grafikdruckerei einzurichten. Es kam zu einer langjährigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit, die das grafische Schaffen Hesses wesentlich ausweitete. Graf regte ihn an, sich jener grafischen Mittel zu bedienen, in denen er seine künstlerische Persönlichkeit am wirkungsvollsten ausdrücken konnte. Es entstanden viele der in der Galerie Heinemann gezeigten grafischen Blätter aber auch ausdrucksstarke Exlibris. Besondere Beachtung fanden die 1924 und 1926 von Graf herausgegebenen Grafikmappen, die Hesse ermutigten, auch in Miniaturgrößen zu arbeiten.
Dr. Volker Hochdörffer
Dr. Claudia Wiotte-Franz
Ex Libris Emil Hesse
1918, Radierung
Tod auf dem Schlachtfeld, ca. 1918 Radierung (Vernis mou), 13 x 16,5 cm
Libris Werner Hesse, 1923 Radierung, 9,5 x 7 cm
Ex Libris Dr. med. Hans Oeffner, 1923
Radierung (Vernis mou), 12 x 9,8 cm
Zeppelin über München, o.J., Radierung, 27 x 19 cm
Das Ungeheuer in der Stadt, o.J., Radierung, 14,5 x 19,5 cm
Der Künstler Rudolf Hesse (1871-1944)
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